Von der Kunst der Veränderung – "Manifesting the New" in Kapstadt, Südafrika

Unser Projektpartner, das Butterfly Art Project (BAP) in Südafrika, hilft Kindern im Township Vrygrond in Kapstadt eine hoffnungsvolle Zukunft selbst zu gestalten. Ihr Alltag ist von Gewalt, Drogen und Hunger geprägt. Die Kinder entdecken in Kunstprojekten ihr kulturelles Erbe und erlernen auf ganz praktische Weise ein friedliches Miteinander. In diesem geschützten Rahmen entfalten sie ihre Talente und werden auf einen späteren Schulbesuch vorbereitet - keine Selbstverständlichkeit in den Townships. Viele ehemalige Teilnehmer gehen heute mit stolz und Freude zur Schule.

Es gibt gute Neuigkeiten aus Südafrika: Im Butterfly Art Project spärt man eine Stimmung des Aufbruchs, der Erneuerung und dass sich wieder etwas bewegt. "Manifesting the New", frei übersetzt "Wie das Neue entsteht", ist das Motto der aktuellen kunsttherapeutischen Arbeit. Das Projekt zeigt auf vielfältige Weise, wieviel Veränderung möglich ist, wenn man den Kindern den passenden Rahmen hierfür bietet. Eingebunden in dieses siebenmonatige Kunstprojekt waren die örtlichen Kunstvermittler. Sie wurden in Workshops eigens zum Thema geschult. Bereits geliebte Kunstwerke wurden von Künstlern aus ganz Kapstadt gepsendet und von den Kindern neugestaltet. Die Umsetzung erfolgte mit Kindern aus den Gemeinden.

Als krönender Abschluß des Projekts wurde am Freitag, dem 23. Juli, die Ausstellung der entstandenen Kunstwerke im Zentrum für Kunsterziehung im Zeitzer MOCAA in Kapstadt eröffnet. Unter den nach wie vor geltenden Lockdown-Beschränkungen fand die Vernissage vor allem virtuell statt. Ein Rundgang durch die umfangreiche Austellung, begleitet durch die Kunstvermittler, ist zu sehen unter https://www.instagram.com/stories/highlights/

Den Stream der virtuellen Tour finden Sie hier.

Die wertvolle kunsttherapeutische Arbeit von BAP braucht auch weiterhin Unterstützung.
Jede Spende ermöglicht neue Hoffnung!

 

50 neue Trainingsanzüge für die Love Bugs in Südafrika

Wir freuen uns über diese neuen Bilder, die uns unser Projektpartner „Butterfly Art Project“ in Südafrika geschickt hat.

Vrygrond ist ein Township von Kapstadt, der Alltag von Eltern und Kindern ist von Gewalt, Drogen und Hunger geprägt. Die Gruppe der „Love Bugs“ sind Kinder, die ansonsten ihre Zeit auf den Straßen verbringen würden. Zweimal die Woche lernen sie für zwei Stunden in kleinen Kunstprojekten zum Beispiel ihr kulturelles Erbe kennen und erleben ein friedliches Zusammenarbeiten in der Gruppe. Sie werden individuell von Kunsttherapeuten betreut. Für viele der Kinder ist es das erste Mal, in einer ruhigen und geschützten Atmosphäre lernen zu können. Viele ehemalige „Love Bugs“ gehen mittlerweile zu Schule. Gestützt durch die guten Erlebnisse in der Kunsttherapie erkennen Eltern und Kinder ihre Möglichkeiten und Wege, sich weiterzuentwickeln, um ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Zu den 40 Kindern in der Love Bug-Gruppe konnten zusätzlich noch 10 weitere Kinder aufgenommen werden.

Alle 50 Kinder bekamen mit nagelneuen Trainingsanzügen, bestickt mit dem Ustinov- Stiftungsschriftzug die erste Schuluniform ihres Lebens. Sie tragen ihre hellblauen Track Suits mit großem Stolz. Die Peter Ustinov Stiftung, die Love Bugs und die Butterfly Art Foundation sagen Danke! Durch Ihre Spende ist die erfolgreiche kunsttherapeutische Arbeit erst möglich! Helfen Sie auch weiterhin, um dieses wertvolle Hilfsprojekt auch nachhaltig zu sichern.

ZEIT für Sir Peter. Zum 100. Geburtstag unseres Stifters.

Das Jahr 2021 ist ein ganz besonderes Jahr für die Peter Ustinov Stiftung. Am 16. April wäre Sir Peter Ustinov 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass führt er auch die Reihe der Jubilare im Feuilleton der ersten ZEIT-Ausgabe 2021 an. Anbei die schöne Hommage an Sir Peter.

Peter Ustinov: Der gute Bär

Von Peter Kuemmel

31. Dezember 2020, 20:49 Uhr DIE ZEIT Nr. 1/2021
 

Sir Peter Ustinov hat gegen den kleinlichen Zorn seinen Witz gesetzt: Als Weltbürger und Komiker. Er wäre in der Lage gewesen, Europa im Alleingang zusammenzuhalten.

Am 16. April 2021 feiern wir den 100. Geburtstag eines Mannes, der das brüchige europäische Ideen- und Staatengebilde durch seine Person retten könnte, wenn er denn noch lebte. Er sprach unzählige Sprachen, hatte russische, französische, deutsche, schweizerische, italienische und äthiopische Wurzeln. Er war ein Weltmann, fast zwangsläufig also: Komiker.

Peter Ustinov war das einzige Kind einer russischen Französin und eines deutschen Russen. Er wuchs in London auf, wo sein Vater, Jona von Ustinov, der im Ersten Weltkrieg Flieger der deutschen Armee gewesen war, nun als Agent des britischen Geheimdienstes arbeitete. Weil er oft allein war, dachte Peter sich unsichtbare Gefährten aus und erlebte, dass man sich Gesellschaft verschaffen kann, indem man in fremden Stimmen spricht. Später war er imstande, ganze Sinfonieorchester zu dirigieren, die allein aus ihm selbst bestanden.

Er erkannte, dass der schönste Weg zur Freiheit die fremde Sprache ist. Faszinierend war schon die Vielzahl der Sprachen! Ustinov wollte sie alle verstehen. Für ihn waren sie Spiele, Kostüme, Möglichkeiten der Selbsterweiterung.

Seine Soloabende boten Mentalitätsessenzen, beruhend auf ansatzloser Verwandlung. Der Sohn des Jona von Ustinov war vom Naturell her mindestens Doppelagent – mitten im Satz konnte er Sprache und Heimatland zurücklassen und als ein ganz anderer wieder auftauchen: als Dünkelbrite, aufbrausender Russe oder deutscher Sturkopf.

Er war eine barocke, seinen Begabungen in alle Richtungen nachjagende Jahrhundertfigur – von der Queen zum Ritter geschlagener Schauspieler, Regisseur, Dramatiker, zweifacher Oscar-Gewinner, Romanautor, Universitätsdirektor, Komiker, Diplomat, Wohltäter, Lebensretter.

Im England zwischen den Kriegen war er ein Eliteschüler, aber ein armer, noch dazu deutschstämmiger – er erlebte jenen Standesdünkel und jene Arroganz, die, ins Szenische gewendet, zum Antrieb seiner Komik wurden. Das Maß an Aggression, mit dem er aus Gemeinschaften ausgestoßen worden war, gab er seinen Parodien mit: So entstand Rückstoßkomik. Das Agentenkind spähte selbst Menschen aus, nämlich jene, die hinter Rang, Status, Reichtum, Verachtung sich verschanzten. Society, von Peter Ustinov dargestellt, war ein albernes System der hochmütigen Sichherablasser und der hechelnden Aufsteiger.

Er selbst wurde vom Außenseiter rasch zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. Zwei Oscars (für seine Rolle als Sklavenhändler in Stanley Kubricks Spartacus, 1960, und für die eines tapsigen Ganoven in Jules Dassins Topkapi, 1964) brachten ihm Weltruhm, zuvor schon war seine Darstellung des Kaisers Nero (in Quo Vadis, 1951) unvergesslich geraten. Aber der berühmte Mann vergaß nie, was er mal gewesen war. Er zeigte selbst gegenüber Gesellschaften, die nur zusammengekommen waren, um ihn zu feiern, das Misstrauen eines Mannes, der damit rechnet, jeden Moment ausgestoßen zu werden. Er blinzelte argwöhnisch in die Runde und war erst dann entspannt, wenn er spielen – und in anderen Figuren verschwinden konnte. Wobei er eigentlich gar nicht in den anderen, die er darstellte, aufging: Er fraß sie eher spaßhaft wie ein guter Bär und nahm ihre Eigenheiten an, die Bewegungen des Beutetiers bewahrend, das er verschlungen hatte. Er fraß sich voll mit fremdem Leben. Und verschaffte sich Zugang zu allen Gesellschaftsbereichen: indem er sie spielte. Er erfasste über die Menschen hinaus auch die Tiere, die er mit Ehrfurcht darstellte, und die Dinge (Türscharniere, Automotoren, Musikinstrumente), die er nicht nur nachahmte, nein: Es schien, als versetze er sich in sie hinein. Er wollte alles verstehen, aus allem sprechen, was ihn umgab.

Er gründete eine Stiftung, die benachteiligten Kindern den Zugang zu Bildung und Wohlstand erleichtert. Er war für Unicef als Botschafter in den entlegensten Weltgegenden. Er nahm jedes Wesen, das er darstellte, in Schutz gegen das Vorurteil.

1961 verfilmte er Herman Melvilles Roman Billy Budd, er führte Regie und spielte die Rolle eines englischen Kriegsschiffskapitäns namens Vere. Dieser Vere lässt den besten und gütigsten Mann auf seinem Schiff hinrichten, weil es das Gesetz so verlangt. Billy Budd ist ein meisterhafter Film und hat einen unvergesslichen Schluss: Die Schiffsbesatzung lässt die Erhängung Billy Budds entsetzt geschehen, dann aber schlägt die Lähmung um in Hass auf die Vorgesetzten – es droht Meuterei. Doch nun peitscht von einem unbemerkten französischen Schiff ein Kanonenschuss herüber. Sodass die Aggression an Bord sich anders entlädt: gegen den herannahenden Feind. Selten wurde ein Kippmoment so schlüssig inszeniert. Ustinov erteilt uns in Billy Budd diese Lehre: Krieg brauchen wir, um den Hass in den eigenen Reihen zu kontrollieren. Woraus folgt: Wer Krieg verhindern will, muss mit dem Allerkleinsten, dem Zorn auf den Nächsten, beginnen. Ustinov hat gegen den Zorn sein ganzes Leben gesetzt. Im Jahr 2004 starb er. Man hat solchen Witz seitdem nicht erlebt.

ENDLICH WIEDER UNTERRICHT!

Die Kinder in Kenia freuen sich und wir uns auch! Die kenianischen Gesundheitsbehörden gaben grünes Licht für die Wiedereröffnung der ECD-Schulen (Vorschulen) in Mombasa und im ländlichen Butere. Beide Vorschulen werden durch die Peter Ustinov Stiftung unterstützt. Damit der Unterricht weitergehen kann, wurden Zelte erworben, die nun als provisorische Klassenräume dienen.

Normalerweise gibt es genug Platz für alle Schüler im Schulgebäude. Die neuen Hygieneregeln in Zeiten der Pandemie erfordern jedoch mehr Abstand zwischen den Kindern im Klassenraum. Dank der Hilfe durch die Peter Ustinov Stiftung konnten Zelte gekauft und damit neue Zeltklassen eingerichtet werden. Mit den Füßen auf dem Rasen, jeder am eigenen kleinen Tisch, können die Kinder nun im Schulgarten zusammen lernen.

ENDLICH WIEDER SCHULE IN KENIA

Wir freuen uns mit den Kindern in Butere. Endlich können sie wieder in ihre Vorschule gehen. Mit der Wiedereröffnung der ECD-Schule (Early Child Development) bekommen sie ein Stück Normalität und Alltag zurück. So haben sie wieder einen Ort nur für sich, an dem sie wieder Kind sein können.Im Schulgarten und vor den Klassenzimmern stehen nun neue mobile Waschstationen. Hier können sich die Kinder jederzeit mit Wasser und Seife die Hände waschen. Nur durch die Hilfe unserer Spender war es möglich, die vielen behördlichen COVID-Hygienebestimmungen zu erfüllen und die Hürde zur Wiedereröffnung zu nehmen. Dazu musste vieles neu angeschafft werden. Die finanzielle Belastung konnte nicht durch das reguläre Schulbudget getragen werden.In Kenia sind die Vorschulen kostenpflichtig. Kinder, deren Familien sich das Lernen dort nicht leisten können, haben von Anfang an einen schlechten Start für ihre Ausbildung. Die ECD-Schule in Butere unterstützt besonders benachteiligte Mädchen zwischen 1-12 Jahren mit Bildungs- und Aufklärungsmaßnahmen und schafft die Basis für einen erfolgreichen Ausstieg aus einem Leben in Prostitution und Armut.

 

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